Mein Freund namens Unsicherheit

Ein, na ja sagen wir mal etwas unangenehmer Weggefährte und ich haben nach vielen Jahren wieder Freundschaft geschlossen.

Meine Unsicherheit und ich kennen uns schon mein ganzes Leben lang und wir hatten in der Kindheit ein relativ entspanntes Verhältnis. Damals waren wir: Ich, die Freude, die Liebe, das Vertrauen , die Angst und Du ein super Team. Ihr wart meine 5 Freunde und wir unterstützten uns gegenseitig und waren beinahe unbesiegbar. Zusammen waren wir voller Lebensmut und sahen das Leben als ein grosses Abenteuer an.

Im Laufe der Jahre , nach der Anpassung an die Leistungsgesellschaft und ein paar Schicksalsschlägen wurdest Du und die Angst immer dominanter und unterdrückten die Freude, das Vertrauen und die Liebe. Es kam so weit, dass ich euch hasste und zu meinen Feinden erklärte. Mit allen Mitteln versuchte ich euch zu bekämpfen. Aber das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Trotz Medikamenten, Vermeidung von Situationen, in denen ihr zu erwarten wart, seid ihr standhaft geblieben und wurdet immer präsenter.

Nach jahrelangem Kampf war ich endlich zu müde und kapitulierte. Plötzlich begriff ich, dass ich den Kampf gegen einen Teil von mir nie gewinnen konnte.

Zuerst näherte ich mich zögerlich wieder der Angst an und als diese nach längerer Testphase endlich sicher war, dass ich es ernst meinte, unterdrückte sie auch die Liebe nicht mehr länger.

Es war so schön, nach so langer Zeit die Liebe wieder einmal so intensiv spüren zu dürfen:-)

Die Liebe und die Angst sind in ihrem Ursprung zwei Seiten einer Medaille und gehören zum Leben. Ohne ein gewisses Quantum an Angst würde uns der Antrieb für Veränderungen fehlen und sie beschützt uns vor Gefahren.

Der Weg als Mensch zu wachsen, führt meistens, wenn nicht sogar immer durch die Angst.

Nachdem ich mich mit der Angst wieder verbündet hatte, waren wir beinahe wieder die alte unbesiegbare Gang aus der Kindheit. Nur die Unsicherheit wollte sich noch nicht so recht wieder eingliedern und dominierte. Zumindest dachte ich das. Immer wieder berieselte sie mich, mit für mich schlimmen Erinnerungen aus der Vergangenheit, die ich unter keinen Umständen wieder erleben wollte.

Aber was konnte ich dagegen tun???

Ich habe so viel versucht, so viele Bücher gelesen, Therapien gemacht etc. und bin zum Entschluss gekommen, dass es kein Patentrezept dafür gibt.

Ich für mich, habe die Unsicherheit wieder umarmt und zu meinem Freund gemacht. Das gelang mir, in dem ich gelernt habe, mich genau so, wie ich bin, zu akzeptieren und meine Schwächen nicht mehr verstecke. Alles in mir darf sein und lässt mich wachsen.

Alle Gefühle, die mich beängstigen, versuche ich ganz bewusst zu fühlen, in dem ich mich ganz liebevoll mitten in das Gefühl sinken lasse und dabei weich und ruhig atme. Genau so, als würde ich Licht ins Dunkle bringen und dann scheint es nicht mehr so gefährlich und die Liebe und und das Vertrauen kommen allmählich zum Vorschein. Diesen Vorgang habe ich über längere Zeit immer wieder geübt und je nach Verfassung, gelingt es mir nicht immer, aber immer öfters;-)

Das fühlt sich gut und ehrlich an und gibt mir Kraft. So kann ich das Gefühl als Gefühl wahrnehmen, bleibe bei mir selber und identifiziere mich nicht mehr mit ihm. So kann sich die Angst auch nicht mehr in Panik steigern.

Eigentlich bin ich einfach nur sensibel, feinfühlig und sehr kreativ im Umgang mit meiner Vorstellungskraft und habe eine aussergewöhnlich scharf eingestellte Alarmanlage.

Meine lieben Freunde Angst und Unsicherheit, lange dachte ich, ihr würdet meine Lebensfreude unterdrücken, dabei war ich es, die euch nicht mehr haben wollte und nicht begriff, dass ihr zu mir und meinem Leben gehört.

BITTE ENTSCHULDIGT MEIN UNWISSEN. Ich freue mich, mit euch ALLEN, ALLES zu erleben, was das Leben für uns bereit hält. DANKE ❤

Dienstagsmantra

Guten Morgen meine Lieben

Dieses Gedicht nach Joseph Beuys hat mich schon oft inspiriert und ich habe es in einem schönen Rahmen an meine Schlafzimmerwand genagelt;-)

Lass dich fallen,lerne Schlangen beobachten, pflanze unmögliche Gärten. Lade jemanden Gefährlichen zum Tee ein, mache kleine Zeichen, die „Ja“ sagen und verteile sie überall in deinem Haus. Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit. Freue dich auf Träume. Weine bei Kinofilmen, schaukle so hoch du kannst mit deiner Schaukel bei Mondlicht. Pflege verschiedene Stimmungen, verweigere „verantwortlich zu sein“, tue es aus Liebe. Glaube an Zauberei, lache eine Menge, bade im Mondlicht. Träume wilde phantasievolle Träume, Lies jeden Tag. Stell dir vor, du wärst verzaubert, verbring deine Zeit mit Kindern, höre alten Leuten zu. Spiele mit allem, du bist unschuldig, baue eine Burg aus Decken, umarme Bäume, schreibe Briefe, lass die Angst fallen.