ups and downs

Meine Antidepressiva und ich eine never ending story? Oder schon bald Vergangenheit?

Schon x-mal habe ich versucht mein Antidepressiva abzusetzen oder zumindest zu reduzieren. Leider mit mässigem Erfolg.

Eigentlich ist es mir damit ja recht gut gegangen und ich könnte mich doch damit abfinden und einfach glücklich sein, dass es eine Tablette gibt, die mir so gut hilft, mit meiner Angst umzugehen.

Was ist es, was mich immer wieder dazu bewegt etwas daran zu ändern? Sind es die 15 Kg. Gewichtszunahme, die zugegebenermassen nicht nur am AD liegen;-)? Ist es die Müdigkeit, die mich manchmal wie eine 80 jährige Frau fühlen lässt und mich tagsüber immer wieder zu einem Nickerchen zwingt, oder ist es die Gefühlsdämpfung, die leider nicht nur die Angst betreffen, sondern auch die Freude, Libido und weitere wünschenswerte Gefühle. Und wie sehr vermisse ich meine früheren Lachanfälle, die mich immer an den unmöglichsten Orten überfielen:-) Oder auch das Mitfühlen und Weinen im Kino etc….

Mein Herz stösst mich oft ganz leise und schüchtern an und sagt mir, „DU schaffst das auch ohne Chemie, fühle wieder voll und ganz und komm nach Hause“. Die Antwort meines Verstandes lässt nicht lange auf sich warten und warnt mich, “ willst Du wieder das gleiche Theater, wie bei den letzten Absetzversuchen? Höre doch auf die Ärzte und Psychiater, die Dir empfohlen haben, die Medis für immer zu nehmen!“

Mein Innerstes weiß ganz genau, dass die Wahrheit in meinem Herzen zu finden ist und nicht bei Fachpersonen, die mich nur aufgrund eines Fragenkatalogs und Schemas in wenigen Minuten beurteilen können.

Vor knapp einem Monat habe ich nun den Mut gefasst und meine Tablette halbiert. Gerne teile ich euch mit, wie es mir seither ergangen ist.

Wo soll ich beginnen? Es ist momentan so ein auf und ab. Erstens ich fühle wieder sehr intensiv, die ganze Palette der Gefühle. Beim Yoga, meditieren und auch im bewussten Alltag fühle ich mein „Selbst“ wieder sehr schön und echt und geniesse den Zustand des „Seins“. Ich spüre wie die Energien durch meinen Körper fliessen und denke „WOW, das ist das echte Leben“!

Auf der anderen Seite, habe ich nach etlichen unangenehmen Absetz-Symptomen, die in der Zwischenzeit wieder verschwunden sind, noch immer einen sehr unangenehmen Tinnitus und eine innere Unruhe. Und natürlich begleitet mich mein alter Freund die Angst wieder durch den Tag durch. Ich muss zugeben, die Angst selber ist ganz gut und immer wie besser auszuhalten! Nur die Gedanken, die damit verbunden sind, stressen mich ganz schön. Immer wieder tauchen die alten Bilder aus der Burnoutzeit auf und mein Ego hat die schlimmsten Befürchtungen diesbezüglich.

Ich denke der Tinnitus und die Unruhe gehören sicher auch teilweise zu den Absetzsymtomen von Paroxetin. Deshalb ist es sehr wichtig für mich, in den nächsten Wochen viel Mut und Kraft zu schöpfen, um diese Zeit gut annehmen zu können. Ich habe mir dieses mal auch zusätzlich Hilfe von einem Coache geholt.

Wenn ich es diesmal schaffe, würde mir das so viel Selbstvertrauen schenken, auch ohne Chemie leben zu können. Ich habe mir fest vorgenommen, so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln, die mich darin bestätigen. Jedoch so, dass es mich nicht überfordert und mir zuviel Energie raubt.

Falls Du dich in einer ähnlichen Situation befindest, habe ich meine besten Tipps, die mir wirklich helfen aufgelistet:

  • Täglich im Wald oder in der Natur spazieren.
  • Viel meditieren, Yoga, oder ähnliches, bei dem Du weg vom Kopf kommst.
  • Zeit nur für Dich!
  • Stille.
  • Baden mit Meersalz.
  • Gute Bücher lesen.
  • Frisches und gesundes Essen zubereiten.
  • Viel Wasser trinken.
  • Magnesium und Eisenpräparate, z.b. von Schüssler Salze.
  • Kreative Tätigkeiten.
  • Dankbarkeit!
  • Fühlen statt denken!
  • Die unangenehmen Gefühle nicht wegmachen wollen, sondern akzeptieren und annehmen. Sie werden mit der Zeit schwächer werden und dann ganz verschwinden.
  • Übernahme der vollen Verantwortung für sich selber, damit man nicht in die Opferrolle kommt.

So, das war meine Erfahrung frisch von der Leber erzählt;-)

Hast auch Du diesbezüglich Erfahrung sammeln dürfen? Es würde mich sehr freuen, davon zu hören.

5 Gedanken zu “ups and downs

  1. Das finde ich richtig super, dass du es immer wieder versuchst! Irgendwann (vielleicht ja dieses Mal) wirst du es schaffen, da glaube ich ganz fest dran :-).

    Als ich meine Tabletten abgesetzt habe (Stück für Stück) ging es mir mehrere Monate wirklich elend. Ich war geschwächt und hatte ständig mit Schwindelgefühlen zu kämpfen. Aber ich bin stark geblieben und habe trotzdem weiter gemacht mit dem Absetzen – ich habe es nicht bereut, bin froh es getan zu haben und auch ein wenig Stolz drauf, stark geblieben zu sein :-).
    Mein Leben verläuft jetzt mehr in „Wellen“ (deshalb der Name), also richtige Auf und Abs, die teilweise mehrere Tage bis Wochen anhalten – ich lerne aber immer besser damit umzugehen. Ich finde es so viel schöner, eben weil auch viele Höhen dabei sind (die langsam aber sicher auch mehr werden und länger anhalten) – mit den Tabletten war ja alles irgendwie auf einem Niveau und ein „Einheitsbrei“ :-).

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    1. Herzlichen Dank liebe „Wellenreiterin“🙏

      Ich freue mich sehr über deinen mutmachenden Kommentar und natürlich darüber, dass Du es geschafft hast. Bravo👏🏻

      Wellenreiterin passt super, und ich sage auch immer „das Wichtigste überhaupt ist zu fühlen“! Und das ist das Leben mit vielen Abs und Aufs. Ansonsten wären wir Maschinen und keine Menschen.
      Und nach einem Tief ist das Hoch umso schöner.

      Alles Liebe weiterhin für Dich❤️

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      1. Freut mich, dass ich dir ein bisschen Mut machen konnte 🙂

        Da hast du vollkommen Recht – ohne Schatten kein Licht, ohne Krankheit keine wahre Wertschätzung der Gesundheit usw….

        Ich wünsche dir auch alles gute und Liebe weiterhin, danke 🙂

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  2. Danke!! Du sprichst mir aus der Seele! Es tut mir sehr gut, zu lesen, dass es Menschen gibt, die in einer ähnlichen Situation wie ich sind, mit ähnlichen Gedanken&Gefühlen.

    Ich denke du triffst den Kern der Sache, nämlich, dass es darum geht seinem Herzen zu folgen und sich selbst damit zu vertrauen. In der schnellen, hektischen, lauten & rationalen Welt überhören wir oft die leise Stimme des Herzens. Und es geht zunindestens bei mir auch darum, zu akzeptieren, dass man: “…die Wellen des Lebens nicht anhalten kann, aber man kann lernen, auf ihnen zu reiten.” (Joseph Goldstein)

    Alles Liebe!

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