Bin ich wirklich krank oder einfach nur normal?

Diese Frage stellte ich mir in den letzten Jahren sehr oft und heute habe ich eine Antwort darauf gefunden:-)

Aber drehen wir die Uhr noch einmal zurück. Vor 8 Jahren war ich noch ganz „NORMAL“ und konnte ohne Problem meinen Versicherungsanbieter wechseln. Damals arbeitete ich viel zu viel, schlief viel zu wenig und umsorgte alle, nur nicht mich selber! Das Resultat davon waren massive Ängste, Panikattacken und Hoffnungslosigkeit. Das, was mir jedoch komplett den Boden unter den Füssen wegzog, war die vom Arzt gestellte Diagnose: Burnout, Depression und generalisierte Angststörung! Mit diesen 3 Fachbegriffen fühlte ich mich dann endgültig verloren und krank.

Immer wieder höre oder lese ich von Leidensgenossen, wie gut es ihnen tat, als sie für ihr Leiden endlich einen Namen bekamen. Für mich, war jedoch das Gegenteil der Fall. Dieser Befund lähmte mich und brachte mich in die Opferrolle. Nebst Gesprächstherapie, auf die ich eine gefühlte Ewigkeit warten musste, wurden mir Antidepressiva und Beruhigungstabletten verordnet. Als ich meine Bedenken gegenüber diesen Beruhigungstabletten äusserte, meinte der Hausarzt, dass diese total praktisch seien, man könne sie überall mitnehmen und kurz auf der Zunge zergehen lassen. Er selber würde auch ähnliche Medikamente einnehmen. Zum Glück war meine Angst davor zu gross, so dass ich „nur“ die Antidepressiva von da an täglich einnahm. Gegen Angst helfen sie schon länger nicht mehr, aber das Absetzen ist für mich ein sehr schwieriges Unterfangen. Ich möchte nicht komplett dagegen sprechen. Diese Tabletten waren die ersten Jahre ein Segen und dafür bin ich dankbar, nur das Absetzen ist sehr schwierig, da die Absetzsymptome fast 2 Jahre dauern können! Wenn ich als Mutter nicht mehr so in der Verantwortung bin, werde ich jedoch meinen 7. und letzten Versuch starten.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich meine Ängste nicht über Jahre hinweg gezogen hätten, wenn ich folgende Informationen und Botschaften gleich zu Beginn gehabt hätte:

  • dass Ängste normal sind und zu uns Menschen gehören, wie jedes andere Gefühl auch.
  • dass ich in einer Verhaltenstherapie den richtigen Umgang damit lernen kann.
  • dass ich mit Achtsamkeit lernen kann, die Angst anzunehmen, zu durchfühlen und zu mir selber finden kann.
  • dass ich viel stärker bin, als ich glaube und auf meine Selbstheilungskräfte vertrauen kann.
  • dass ich nicht krank bin, sondern erschöpft und verängstigt.
  • dass ich mich nun um mich selber kümmern darf und mich nach 40 Jahren endlich richtig kennen lernen darf.
  • dass diese Krise eine Riesenchance auf ein besseres Leben ist.
  • dass ich mich nicht schämen muss, da so viele Menschen betroffen sind.
  • dass alles sein darf!!!!

Das hätte mir persönlich viel mehr geholfen, als wöchentlich einer Therapeutin zu erzählen wie es mir in der Woche ergangen war und Tabletten zu schlucken.

Lebenskrisen, Ängste und Trauer gehören zu unserem Leben und hat es schon immer gegeben. 

Evt. suchen wir heute vorschnell psychologische Hilfe, werden dadurch zu schnell als krank abgestempelt und können dann durch die Behandlung gar nicht mehr auf unsere Selbstheilungskräfte vertrauen. Vorschnelle und falsche Behandlungen unterbrechen leider den natürlichen Verarbeitungsprozess und können schlimmstenfalls echte psychische Krankheiten begünstigen.

Heutzutage werden normale Lebenskrisen zu oft pathologisiert und Menschen verlieren durch den Stempel „krank“ das Gefühl selbstwirksam sein zu können und chronifizieren ihre Probleme.

Meiner Meinung nach, dürfen Menschen mit Problemen nicht zu „Patienten“ gemacht werden. Oder kennst Du eine Person, die keine Sorgen und Ängste kennt?

Meine Frage zu Beginn dieses Artikels, kann ich aus heutiger Sicht ganz klar mit „ich bin normal“ beantworten. Vielleicht ein wenig sensibler und feinfühliger als der Durchschnitt, aber das darf sein und ist keine Krankheit.

Ein Gedanke zu “Bin ich wirklich krank oder einfach nur normal?

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