Ego, Antidepressiva und Spiritualität

Ihr Lieben

Endlich mein versprochener neuer Blogbeitrag.

In den letzten Monaten war ich so sehr mit meinem Selbstfindungsweg beschäftigt, dass ich mich lieber inspirieren liess, als selber aktiv zu werden. Ich fühlte mich zu unruhig, um Euch auf authentische und ehrliche Weise Mut zu machen.

Nach 4 Monaten Reduktion meiner Antidepressiva fiel ich wieder in alte Muster zurück und entschied schweren Herzens, zum Wohle von mir und meiner Familie wieder die ursprüngliche Dosis einzunehmen. Die Enttäuschung über mein „Versagen“ war riesig, aber ich musste mir eingestehen, dass der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen war. Als Mutter fühle ich mich noch zu fest in der Verantwortung, und da ich weiss, wie es sich anfühlt, in der Kindheit keine gesunden Eltern zu haben, setzte mich diese Erinnerung noch zusätzlich unter Druck.

Nachdem mein Entschluss feststand, habe ich als erstes alle Angstforen und AD kritischen Seiten aus meinem Leben verbannt. Ich betrachte das Medi nun wie eine Freundin, die mich auf meinem Selbstfindungsweg begleitet und mich unterstützt bis ich das Vertrauen wieder gefunden habe. Diese neue Einstellung erleichtert es mir, mit dem Anspruch an mich, es ohne Medikamente schaffen zu müssen, besser umgehen zu können.

In den letzten Monaten habe ich mich intensiv mit spirituellen Büchern auseinander gesetzt und fand darin viele Erkenntnisse, Verständnis und Vertrauen für meinen Lebensweg. Ich habe mich von den Themen „Angsterkrankung und Depression“ distanziert und betrachte meine Gefühle als etwas Natürliches auf dem Weg zur Selbsterkennung. Es tut mir so gut mich nicht mehr als krank zu „kategorisieren“.

Mit dieser neuen Sichtweise gelang es mir, mich endgültig aus der Opferrolle zu befreien. Ich habe begriffen, dass nur ich für mein Leben verantwortlich bin und ich bestimmen kann, in welche Richtung mein Leben verlaufen darf.

Ich habe verstanden, das ich viel mehr bin, als mein Ego oder mein Verstand mir weismachen will. Ich habe verstanden, dass ich „Bewusstsein“ bin. Ich bin der, der alles wahrnimmt und beobachtet. Ich bin nicht mein Ego.

An Weihnachten hatte ich ein Schlüsselerlebnis. Aufgrund meiner Angst vor Besuch waren die Festtage für mich in den letzten Jahren immer der blanke Horror. Diese Weihnachten versuchte ich so oft es ging im „Jetzt“ zu bleiben. Trotz sehr starker Nervosität blieb ich gegenwärtig, in dem ich all meine Gefühle und Gedanken beobachtete und in mich reinfühlte. Und siehe da, die Angst hatte keine Macht mehr über mich, ich konnte zum ersten Mal die Illusion dahinter erkennen.

Mein Angstmuster hat sich jedoch in den vielen Jahren so fest auf meine Festplatte gebrannt, dass mir mein Ego immer noch täglich Angstgedanken schickt. Meine Aufgabe besteht nun darin, diesen keine neue Energie mehr zuzuführen, damit diese langsam versiegen können.

Ich gehe wie folgt vor:

  • Gedanken annehmen, ihnen jedoch keinen Glauben schenken. Wären Sie wahr, würden Sie keine negativen Emotionen auslösen. Es sind nur alte Muster!
  • Den Widerstand gegen die Gedanken aufgeben, auch das würde ihnen nur neue Energie zukommen lassen.
  • Alle Gefühle die aufkommen, durchfühlen mit dem Wissen, dass nichts passieren kann und ich diese durch Annahme wandeln kann.
  • Mir immer wieder klar machen, dass wenn ich in der Beobachterrolle bleibe und bewusst bleibe kein Drama daraus entstehen kann.
  • Auf meine Emotionen und Gefühle hören, sie haben eine Botschaft, die meistens so lautet: Hei aufwachen, raus aus dem Denken und bewusst werden!
  • Ich meditiere oft und stelle mir vor, wie es sich anfühlt, keine negativen Gedanken zu haben. So kann ich die Energie hoch halten.
  • Und sehr wichtig: GEDULD, GEDULD und nochmals GEDULD!

Stell Dir ein kleines Kind vor, das auf die heisse Herdplatte fasst und sich sehr erschreckt über den Schmerz. Ich kam mir oft auch wie ein kleines Kind vor, das immer wieder auf die heisse Herdplatte fasste, obwohl ich die Konsequenz davon kannte. Immer wieder stellte ich mir schlimme Angstszenarien vor, obwohl ich wusste, dass die Antwort Angst und Panik war. Wenn der Schmerz da war, wusste ich zwar, wie ich ihn mit Annahme und Durchfühlen abschwächen konnte, aber ich schaffte es nicht, nicht wieder auf diese heisse Herdplatte zu fassen.

Ich begann mich mit meinen Gedanken und den daraus resultierenden Emotionen auseinander zu setzen und stellte fest, dass das Ego auch etwas Gutes hat. Es zeigt mir an, wo es noch wunde Punkte in mir gibt, die darauf warten, dass sie mit Bewusstheit, Annahme, Liebe und Licht heilen können. Alles was diese Anteile wollen, ist nochmals erfahren und akzeptiert zu werden, damit sie aus der Vergangenheit befreit werden können. Dein JA ändert alles.

Sobald du dich so, wie du bist, angenommen hast, geschieht eine grossartige Explosion. Denn die Energie, die sonst in Konflikt gebunden ist, wird freigesetzt und diese Energie steht dir jetzt zur Verfügung.

Osho

 

 

 

 

 

Emotionen wollen fliessen

Das, was ich in dieser stürmischen Zeit der Tablettenreduktion lernen durfte, ist, dass sich unangenehme Emotionen so lange wiederholen, bis wir wahrhaftig bereit sind, uns selber bedingungslos anzunehmen.

Das heisst, Emotionen nicht nur aushalten und überstehen, sondern hinein zu fühlen mit viel Liebe, Verständnis und Geduld uns selbst gegenüber.

Ich habe immer gedacht, dass ich einfach die Angst annehmen muss, damit sie weg geht und habe dabei übersehen, dass ich mich selbst immer wieder verurteilt habe, wenn mir das nicht gelang.

Viel wichtiger ist, dass wir uns in jeder Situation selber akzeptieren können und dann werden die Emotionen plötzlich unwichtig.

Loslassen das Leiden, Loslassen das Alte – das gelingt leider nur durch das Annehmen, was ist und das Annehmen, wie wir sind. Jeder Widerstand führt zu neuen Schmerzen.

Emotionen sind nichts anderes als Energien, die fliessen wollen. Weder gut noch schlecht. Sobald wir diese als schlecht bewerten und  zurückhalten und verdrängen, entsteht ein Energiestau, der auf psychischer und physischer Ebene Schmerzen verursachen kann.

Als ich vor ein paar Tagen durch den schönen Herbstwald spazierte, konnte ich wunderschöne Windrosen beobachten, die Blätter vom Boden in die Luft wirbelten. Auch das ist eine Form von Energie und veranschaulicht sehr schön, wie natürlich alles geschieht. Die Blätter landen nach ihrem Flug durch die Luft wieder sanft auf dem Waldboden. Genau so ist es mit der Angst, wenn wir sie einfach in Ruhe lassen würden, käme es nie zu Panik, sondern wäre einfach nur ein natürliches Grundgefühl, das wir mit fast allen Lebewesen auf dieser Erde teilen.

Es gelingt mir immer besser, meine Schattenseiten zu akzeptieren und vor allem meinem Verstand nicht mehr jeden Mist zu glauben. Fühlen statt denken, kann ich nicht oft genug sagen. Die Härte und den Widerstand mit weichem Atem zu durchfühlen, wird das Befinden wieder in die positive Richtung lenken. Ich übe täglich bei mir zu sein und Milde gegenüber mir zu pflegen. Früher war Angst für mich ein Zustand, den man nicht ändern kann und heute betrachte ich sie als Energie, die ich wahrnehmen kann und die mir sogar Kraft schenkt, wenn ich sie fliessen lasse. Oft falle ich jedoch wieder in das alte Fahrwasser zurück und das ist unangenehm. Aber es gehört zu meinem Leben und es ist meine Aufgabe damit zurechtzukommen. Ich war schon immer sehr sensibel und reagierte auf alles Unbekannte mit Nervosität und das wird wahrscheinlich auch immer so bleiben. Ich werde mir jedoch nie mehr von meiner Angst das Leben dirigieren lassen.

Jeden Tag bedanke ich mich für die „Minischritte“ in ein authentisches und freies Leben.

Noch ein kleiner Tipp einer lieben Psychologin. Wir Menschen bewerten die negativen Ereignisse viel stärker als die Positiven und schenken den Dingen, die gut laufen, meist kaum Wertschätzung und Beachtung. Um dies zu ändern, können wir z.B. am Morgen 10 kleine Kugeln oder Perlen in der linken Hosentasche verstauen. Jedes mal, wenn nun etwas gut gelaufen ist oder wir etwas Positives erlebt haben, nehmen wir eine Kugel und verstauen sie in der rechten Hosentasche. Ihr werdet überrascht sein, wie viele Kugeln sich abends in der rechten Tasche finden lassen und macht euch bewusst, was wir alles zustande bringen und wie schön doch das Leben ist. Ein Tagebuch, ein „Dankesbuch“ etc. erzielt den gleichen Effekt.

So nun wünsche ich euch einen wunderbaren Abend. Schaut keine Nachrichten, sondern tut euch etwas Gutes, um den Tag mit einer positiven Energie ausklingen zu lassen.

Alles Liebe

Sarah

ups and downs

Meine Antidepressiva und ich eine never ending story? Oder schon bald Vergangenheit?

Schon x-mal habe ich versucht mein Antidepressiva abzusetzen oder zumindest zu reduzieren. Leider mit mässigem Erfolg.

Eigentlich ist es mir damit ja recht gut gegangen und ich könnte mich doch damit abfinden und einfach glücklich sein, dass es eine Tablette gibt, die mir so gut hilft, mit meiner Angst umzugehen.

Was ist es, was mich immer wieder dazu bewegt etwas daran zu ändern? Sind es die 15 Kg. Gewichtszunahme, die zugegebenermassen nicht nur am AD liegen;-)? Ist es die Müdigkeit, die mich manchmal wie eine 80 jährige Frau fühlen lässt und mich tagsüber immer wieder zu einem Nickerchen zwingt, oder ist es die Gefühlsdämpfung, die leider nicht nur die Angst betreffen, sondern auch die Freude, Libido und weitere wünschenswerte Gefühle. Und wie sehr vermisse ich meine früheren Lachanfälle, die mich immer an den unmöglichsten Orten überfielen:-) Oder auch das Mitfühlen und Weinen im Kino etc….

Mein Herz stösst mich oft ganz leise und schüchtern an und sagt mir, „DU schaffst das auch ohne Chemie, fühle wieder voll und ganz und komm nach Hause“. Die Antwort meines Verstandes lässt nicht lange auf sich warten und warnt mich, “ willst Du wieder das gleiche Theater, wie bei den letzten Absetzversuchen? Höre doch auf die Ärzte und Psychiater, die Dir empfohlen haben, die Medis für immer zu nehmen!“

Mein Innerstes weiß ganz genau, dass die Wahrheit in meinem Herzen zu finden ist und nicht bei Fachpersonen, die mich nur aufgrund eines Fragenkatalogs und Schemas in wenigen Minuten beurteilen können.

Vor knapp einem Monat habe ich nun den Mut gefasst und meine Tablette halbiert. Gerne teile ich euch mit, wie es mir seither ergangen ist.

Wo soll ich beginnen? Es ist momentan so ein auf und ab. Erstens ich fühle wieder sehr intensiv, die ganze Palette der Gefühle. Beim Yoga, meditieren und auch im bewussten Alltag fühle ich mein „Selbst“ wieder sehr schön und echt und geniesse den Zustand des „Seins“. Ich spüre wie die Energien durch meinen Körper fliessen und denke „WOW, das ist das echte Leben“!

Auf der anderen Seite, habe ich nach etlichen unangenehmen Absetz-Symptomen, die in der Zwischenzeit wieder verschwunden sind, noch immer einen sehr unangenehmen Tinnitus und eine innere Unruhe. Und natürlich begleitet mich mein alter Freund die Angst wieder durch den Tag durch. Ich muss zugeben, die Angst selber ist ganz gut und immer wie besser auszuhalten! Nur die Gedanken, die damit verbunden sind, stressen mich ganz schön. Immer wieder tauchen die alten Bilder aus der Burnoutzeit auf und mein Ego hat die schlimmsten Befürchtungen diesbezüglich.

Ich denke der Tinnitus und die Unruhe gehören sicher auch teilweise zu den Absetzsymtomen von Paroxetin. Deshalb ist es sehr wichtig für mich, in den nächsten Wochen viel Mut und Kraft zu schöpfen, um diese Zeit gut annehmen zu können. Ich habe mir dieses mal auch zusätzlich Hilfe von einem Coache geholt.

Wenn ich es diesmal schaffe, würde mir das so viel Selbstvertrauen schenken, auch ohne Chemie leben zu können. Ich habe mir fest vorgenommen, so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln, die mich darin bestätigen. Jedoch so, dass es mich nicht überfordert und mir zuviel Energie raubt.

Falls Du dich in einer ähnlichen Situation befindest, habe ich meine besten Tipps, die mir wirklich helfen aufgelistet:

  • Täglich im Wald oder in der Natur spazieren.
  • Viel meditieren, Yoga, oder ähnliches, bei dem Du weg vom Kopf kommst.
  • Zeit nur für Dich!
  • Stille.
  • Baden mit Meersalz.
  • Gute Bücher lesen.
  • Frisches und gesundes Essen zubereiten.
  • Viel Wasser trinken.
  • Magnesium und Eisenpräparate, z.b. von Schüssler Salze.
  • Kreative Tätigkeiten.
  • Dankbarkeit!
  • Fühlen statt denken!
  • Die unangenehmen Gefühle nicht wegmachen wollen, sondern akzeptieren und annehmen. Sie werden mit der Zeit schwächer werden und dann ganz verschwinden.
  • Übernahme der vollen Verantwortung für sich selber, damit man nicht in die Opferrolle kommt.

So, das war meine Erfahrung frisch von der Leber erzählt;-)

Hast auch Du diesbezüglich Erfahrung sammeln dürfen? Es würde mich sehr freuen, davon zu hören.

Das böse Spiel mit der Angst

Menschen sind niemals beeinflussbarer, wie wenn sie Angst haben!

Momentan werden wir wieder täglich mit fett gedruckten Negativschlagzeilen und Bildern bombardiert, die in vielen von uns Angst schüren.

Gerne erzähle ich euch von meiner eigenen Erfahrung mit solchen Schlagzeilen:

Vor etlichen Jahren war das Thema Vogelgrippe in den Medien präsent, sicher mögt Ihr Euch noch daran erinnern?!  Zu dieser Zeit fürchtete ich mich vor nichts so sehr, wie vor Krankheiten. Was diese Schlagzeilen in mir auslösten, ist fast nicht in Worte zu fassen und trug sicher teilweise zu meinem Burnout bei. Ich war wie gelähmt vor Angst und befürchtete das Schlimmste. Dementsprechend bunkerte ich Desinfektionsmittel, Masken und Nahrungsmittelvorräte im Keller. Zum Glück bekam ich kein Rezept, sonst hätte ich auch noch Tamiflu besorgt;-) Und was traf ein von all den Prophezeiungen? Weniger Menschen erkrankten an der Vogelgrippe, als an einer gewöhnlichen Grippe! Dafür machte Roche ein Milliardengeschäft…Von ähnlichen Ausgängen der Negativschlagzeilen könnte ich ein Buch füllen!

Nach dieser Geschichte machte ich meine erste Psychotherapie und verzichtete 2 Jahre komplett auf Nachrichten. Mein mentales Befinden verbesserte sich enorm in dieser Zeit.

Heute verfolge ich die News wieder, jedoch mit einer gewissen Achtsamkeit. Ich hinterfrage die Artikel und lasse mich nicht mehr beeinflussen. Mir ist bewusst geworden, dass sich Negativschlagzeilen besser verkaufen lassen und viele Journalisten, nicht ganz unabhängig sind.

Parteien können im Wahlkampf von den richten Beiträgen profitieren und Politiker und Regierungen können durch das verängstigte Volk sogar „Freipässe“ für Kriege ergattern:-(

Es ist mir ein grosses Anliegen, dass wir uns in der aktuellen Flüchtlingskrise nicht durch die Medien manipulieren lassen und uns immer mehr in „Rechts“ und „Links“ spalten.

  • Lasst uns aus der Geschichte Lehren ziehen und diese nicht wiederholen!
  • Lasst uns nicht mehr unüberlegt Nachrichten konsumieren um dementsprechend die Situation zu verurteilen, sondern hinterfragt, was uns evt. vorenthalten wird!
  • Lasst uns nicht Beiträge in sozialen Medien teilen, deren Wahrheit wir nicht kennen!
  • Lasst uns gegenseitig Mut zusprechen!
  • Lasst uns die Angst vor dem Unbekannten ablegen und zusammenhalten für ein stabiles Europa und für eine friedliche Welt!

Ich bin mir sicher, dass wir das zusammen schaffen werden und freue mich auf Eure Meinungen zu diesem Thema:-)

Herzlichst Sarah

PS: Liebe Journalisten und Verantwortliche, ich plädiere nicht für eine „Schönfärbung“, sondern für eine ausgewogene Berichterstattung. Danke!

Der Zwang „Glücklich zu sein“

Schon eine ganze Weile habe ich keinen neuen Artikel mehr geschrieben…das liegt einerseits daran, dass ich in den Ferien war und im Job als Haus- und Tiersitterin nun Hochsaison habe und andererseits daran, dass ich nur schreiben kann, wenn ich wirkliche Motivation dafür verspüre und das Bedürfnis habe, etwas mitzuteilen, das auch anderen Menschen helfen kann. Ich bin sehr froh, mich nie auf regelmässige Erscheinungsdaten festgelegt zu haben und somit keinen Schreibzwang habe:-)

Jedoch ist mir in den Sommerferien ein anderer Zwang bewusst geworden! …..Wir sassen im Flugzeug mit Ziel Korsika. Die Vorfreude war vielen Passagieren ins Gesicht geschrieben. Im Gegenzug dazu fühlte ich mich so emotionslos und leer. Ich versuchte mich zwanghaft auf die geplanten Ferien zu freuen und was passierte stattdessen?…ich bekam Panik und wäre am liebsten rechts und kehrt zurück in die Schweiz geflogen:-(

Am Boden angekommen verstärkte sich die Angst noch und die Anspannung blieb in den nächsten Tagen und erreichte ihren Höhepunkt am Tag 4. Wir kamen auf unserer Rundreise in einem wunderschönen Hotel, oberhalb einer Klippe, direkt am Meer gelegen, an. Ich schlenderte durch die traumhafte Parkanlage mit prächtigen Blumen, verschiedenen Teichen, alten Bäumen, toller Poolanlage und einem atemberaubenden Blick auf das türkisblaue Meer. Dieser Traum wurde in jenem Moment jedoch zum Alptraum für mich….so eine heftige Panikattacke hatte ich schon lange nicht mehr und es hätte nicht viel mehr gebraucht und ich wäre auf der Stelle abgereist.

Mit Annahme, bewusstem Fühlen und Achtsamkeit konnte ich mich nach einer gewissen Zeit wieder beruhigen und fand in meine Mitte zurück. Lange überlegte ich an diesem Abend, warum mir das immer ausgerechnet an den schönsten Orten, Anlässen etc. passiert, welche andere Menschen meiner Meinung nach in vollen Zügen geniessen können.

An diesem Tag habe ich ein weiteres Puzzleteil meines Selbstfindungsprozesses gefunden. Ich habe oder besser gesagt hatte den Zwang glücklich sein zu müssen und gerade solche speziellen Tage zu geniessen und nicht zu versagen. Gerade in der heutigen Zeit der Selbstinszenierung auf sozialen Plattformen, wo uns nur breit grinsende Gesichter entgegen blicken mit traumhaften und atemberaubenden Kulissen im Hintergrund, ist der Druck dem zu entsprechen besonders gross.  Andernfalls hat man das Gefühl nicht normal zu sein. Am Urlaubsort können sich die Schuldgefühle verstärken, weil man erwartet, dass einem die wenigen freien Tage im Jahr gut tun müssen, sich aber einfach kein Feriengefühl einstellt. Sogar deine Freunde wünschen Dir vor der Abreise: Schöne Ferien, geniesse es in vollen Zügen!

Meine Gedanken waren: „Mein Gott, weisst Du, wie lange wir für diese Ferien arbeiten mussten! Ich muss diese nun geniessen und sollte dankbar sein, da so viele Menschen nie so etwas erleben dürfen. Ebenfalls darf ich nun ja nicht auch noch die Ferien von meinem Sohn und meinem Mann versauen! Was werden die anderen nur denken von mir, wenn ich die Ferien abbrechen muss, etc. ……..Meine Fantasie ist sehr kreativ, vielleicht sollte ich Autorin von Horrorbüchern werden;-)

Als mir dieser Zwang, den ich mir da selber auferlegt habe, bewusst wurde, „wieder einmal dank meiner Angst“, konnte ich loslassen und weisst Du was; ich konnte die letzten Tage noch so richtig toll geniessen und bereute, dass wir nur 7 Tage gebucht hatten.

Mit der Einstellung, alles darf sein, wie es ist, „Flop oder Top“, geht alles einfacher. Egal ob es die Hochzeit deines Bruders, ein atemberaubender Sonnenuntergang oder die Weihnachtsfeier ist. Es darf schön sein, muss aber nicht!  Es kommt alles so wie es richtig ist, vertraue dem Fluss des Lebens und lass Dich treiben…..<3

Bin ich wirklich krank oder einfach nur normal?

Diese Frage stellte ich mir in den letzten Jahren sehr oft und heute habe ich eine Antwort darauf gefunden:-)

Aber drehen wir die Uhr noch einmal zurück. Vor 8 Jahren war ich noch ganz „NORMAL“ und konnte ohne Problem meinen Versicherungsanbieter wechseln. Damals arbeitete ich viel zu viel, schlief viel zu wenig und umsorgte alle, nur nicht mich selber! Das Resultat davon waren massive Ängste, Panikattacken und Hoffnungslosigkeit. Das, was mir jedoch komplett den Boden unter den Füssen wegzog, war die vom Arzt gestellte Diagnose: Burnout, Depression und generalisierte Angststörung! Mit diesen 3 Fachbegriffen fühlte ich mich dann endgültig verloren und krank.

Immer wieder höre oder lese ich von Leidensgenossen, wie gut es ihnen tat, als sie für ihr Leiden endlich einen Namen bekamen. Für mich, war jedoch das Gegenteil der Fall. Dieser Befund lähmte mich und brachte mich in die Opferrolle. Nebst Gesprächstherapie, auf die ich eine gefühlte Ewigkeit warten musste, wurden mir Antidepressiva und Beruhigungstabletten verordnet. Als ich meine Bedenken gegenüber diesen Beruhigungstabletten äusserte, meinte der Hausarzt, dass diese total praktisch seien, man könne sie überall mitnehmen und kurz auf der Zunge zergehen lassen. Er selber würde auch ähnliche Medikamente einnehmen. Zum Glück war meine Angst davor zu gross, so dass ich „nur“ die Antidepressiva von da an täglich einnahm. Gegen Angst helfen sie schon länger nicht mehr, aber das Absetzen ist für mich ein sehr schwieriges Unterfangen. Ich möchte nicht komplett dagegen sprechen. Diese Tabletten waren die ersten Jahre ein Segen und dafür bin ich dankbar, nur das Absetzen ist sehr schwierig, da die Absetzsymptome fast 2 Jahre dauern können! Wenn ich als Mutter nicht mehr so in der Verantwortung bin, werde ich jedoch meinen 7. und letzten Versuch starten.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich meine Ängste nicht über Jahre hinweg gezogen hätten, wenn ich folgende Informationen und Botschaften gleich zu Beginn gehabt hätte:

  • dass Ängste normal sind und zu uns Menschen gehören, wie jedes andere Gefühl auch.
  • dass ich in einer Verhaltenstherapie den richtigen Umgang damit lernen kann.
  • dass ich mit Achtsamkeit lernen kann, die Angst anzunehmen, zu durchfühlen und zu mir selber finden kann.
  • dass ich viel stärker bin, als ich glaube und auf meine Selbstheilungskräfte vertrauen kann.
  • dass ich nicht krank bin, sondern erschöpft und verängstigt.
  • dass ich mich nun um mich selber kümmern darf und mich nach 40 Jahren endlich richtig kennen lernen darf.
  • dass diese Krise eine Riesenchance auf ein besseres Leben ist.
  • dass ich mich nicht schämen muss, da so viele Menschen betroffen sind.
  • dass alles sein darf!!!!

Das hätte mir persönlich viel mehr geholfen, als wöchentlich einer Therapeutin zu erzählen wie es mir in der Woche ergangen war und Tabletten zu schlucken.

Lebenskrisen, Ängste und Trauer gehören zu unserem Leben und hat es schon immer gegeben. 

Evt. suchen wir heute vorschnell psychologische Hilfe, werden dadurch zu schnell als krank abgestempelt und können dann durch die Behandlung gar nicht mehr auf unsere Selbstheilungskräfte vertrauen. Vorschnelle und falsche Behandlungen unterbrechen leider den natürlichen Verarbeitungsprozess und können schlimmstenfalls echte psychische Krankheiten begünstigen.

Heutzutage werden normale Lebenskrisen zu oft pathologisiert und Menschen verlieren durch den Stempel „krank“ das Gefühl selbstwirksam sein zu können und chronifizieren ihre Probleme.

Meiner Meinung nach, dürfen Menschen mit Problemen nicht zu „Patienten“ gemacht werden. Oder kennst Du eine Person, die keine Sorgen und Ängste kennt?

Meine Frage zu Beginn dieses Artikels, kann ich aus heutiger Sicht ganz klar mit „ich bin normal“ beantworten. Vielleicht ein wenig sensibler und feinfühliger als der Durchschnitt, aber das darf sein und ist keine Krankheit.

Meine besten Tipps für den Umgang mit Angst

Heute möchte ich euch meine hilfreichsten Strategien im Umgang mit der Angst verraten. Diese sind vor allem für unterwegs nützlich.

Haltung

Sobald ich merke, wie die Angst in mir hochsteigt, nehme ich eine mutige und selbstsichere Körperhaltung ein. Wenn wir unsere Haltung ändern, dann ändern wir auch direkt unser emotionales Befinden. Sogar unser Denken können wir damit beeinflussen. Ich richte mich auf, halte den Kopf gerade und öffne mich im Brustbereich.

Die Angst lebt von der Enge und wenn ich mich öffne, entziehe ich der Angst ihren Aufwind. Probiert es aus, eine selbstsichere und offene Körperhaltung wirkt sofort.

Zulassen

Die Angst alleine ist ein ganz natürliches Gefühl, wie auch die Freude, die Liebe etc. Also mache ich mir bewusst, dass dieses Gefühl ein Teil von mir ist und nichts Böses will. Solange ich es annehme und mich nicht dagegen wehre, kann die Energie fliessen und es kann keine Panik entstehen. Es macht überhaupt keinen Sinn gegen sich selber zu kämpfen, denn diesen Kampf kann man nicht gewinnen.

Bis ich die Angst wirklich annehmen konnte, war es ein langer Prozess. Und auch heute noch, fällt es mir nicht immer leicht. Erschwerend dazu kommt noch, dass wir reflexartig mit Flucht auf die Angst reagieren, was uns jedoch zu früheren Zeiten das Leben gerettet hätte.

Hilfreich ist auch, sich vorzustellen, dass wirklich nichts Schlimmes passieren kann und es immer wieder vorübergeht. Die Angst ist nur eine Illusion, aus einem Konstrukt, das unser Verstand uns vorgaukelt. Wie mehr wir die Angst bewusst erleben und beobachten, umso schneller wird uns das bewusst.

Gedanken beobachten 

Gedanken, wie: ich werde es nie schaffen, bitte nicht schon wieder, ich kann es nicht aushalten etc., sind der Nährboden der Angst. Ich glaube jeder Mensch hat zeitweise solche oder ähnliche Gedanken. Nur haben die sensibleren Menschen zudem eine feinere Körperwahrnehmung und interpretieren schon kleine Veränderungen als Gefahr. Durch jahrelange Konditionierung genügt dann ein einzelner Gedanke, um eine Panikattacke auszulösen. Gedanken →Körperempfindungen→Gefühl/Emotionen

Heute bemerke ich, sobald ich meine Komfortzone verlasse, immer noch, wie sich mein Bauch zusammenzieht und ich unruhig werde, aber ich sage mir dann einfach, „Sarah, du bist nervös, und das ist normal. Jeder Mensch empfindet in gewissen Situationen so!“

Damit ich mich nicht mit meinen Gedanken identifiziere, beobachte ich diese. So bleibe ich bewusst und handlungsfähig. Ich weiss, die Angst ist nur ein kleiner Teil von mir und ich fühle die Angst, aber bin nicht die Angst.

Und ganz wichtig: ich glaube nicht mehr alles, was ich denke!!!

Ich bin für alles offen

An manchen Tagen bin ich einfach nicht in meiner Mitte und habe trotzdem Termine, die ich nicht verschieben möchte. Da kann es vorkommen, dass ich schon Zuhause Angst vor der Angst habe.

Mein Kampfspruch, der mir immer geholfen hat:

Ich bin kein Opfer, ich bestimme selber über mein Leben und übernehme die Verantwortung. Ich bin frei und schränke mich nicht selber ein. Also gehe ich nun zu ……und wenn ich schlimmstenfalls ohnmächtig werden sollte (was aus diesem Grund noch nie passiert ist), gönne ich mir diese Ruhepause;-) Es ist mir vollkommen egal, was dann die anderen Menschen von mir denken, denn ich liebe mich genau so wie ich bin. Und wenn es nicht klappen sollte, werde ich am Tag darauf, genau das Gleiche nochmals machen.

Bis heute, musste ich nur einmal etwas wiederholen und auch das ist vollkommen in Ordnung. Wir sind keine Maschinen und dürfen auch mal „nicht funktionieren“. Aber meine Freiheit, werde ich mir durch die Angst nie mehr nehmen lassen!

Seit ich meinen Blog schreibe, bin ich mit vielen Menschen in Kontakt gekommen, die unter Ängsten leiden. Wenn wir mehr Mut hätten, mit allen Konsequenzen zu unseren Gefühlen zu stehen, würden wir nicht mehr darunter leiden. Ich bin froh, dass sich immer mehr Menschen öffnen und sich nicht mehr in unserem Leistungssystem unterordnen lassen, bis sie wirklich krank werden.

Wir sind alle Menschen und alle Gefühle gehören zu uns, jederzeit und überall!